Phillip Pauli · eCom OS
18. Oktober 2026

Claude Skills: So baust du deinen ersten eigenen Skill

von Phillip Pauli

Claude Skills sind Anweisungen in einer Textdatei, die Claude Code automatisch lädt, sobald deine Anfrage zum Thema des Skills passt. Damit sagst du Claude einmal, wie du Produktbeschreibungen, Ad-Copy oder andere wiederkehrende Aufgaben haben willst, und gewöhnst ihm den generischen AI Slop ab. Weiter unten baue ich mit dir zusammen einen Skill, der Copy für Meta-Ads schreibt.

Viele haben inzwischen gemerkt, dass Claude Code mehr kann als ChatGPT. Die vollen Fähigkeiten nutzen trotzdem die wenigsten. Das ist so, als würdest du dir einen Ferrari kaufen und dann mit 50 km/h durch die Gegend fahren. Skills sind für mich eine der besten Tuning-Methoden für Claude Code, und wenn du deinen ersten eigenen gebaut hast, verstehst du auch, warum.

So funktionieren Claude Skills

Ein Skill ist eigentlich nichts Kompliziertes. Im Kern ist es ein einfacher Text-Prompt in einer Datei. Manchmal liegen im selben Ordner noch ein paar weitere Dateien. Das Besondere ist, dass Claude selbst erkennt, wann ein Skill zu deiner Aufgabe passt, und ihn dann lädt.

Ein Beispiel: Du schreibst Claude „Schreib mir eine Produktbeschreibung für Produkt X“. Hast du einen Skill hinterlegt, der für Produktbeschreibungen oder allgemein für Texte da ist, schaut Claude in seine Liste, sieht den passenden Skill und arbeitet danach. So bringst du Claude bei, wie du deine Sachen haben willst.

Name und Beschreibung entscheiden

Claude lädt beim Start keine kompletten Skills. Es hat eine Liste mit allen Skills, die auf deinem Rechner liegen, und sieht davon erst mal nur Name und Beschreibung. Erst wenn dein Prompt zu einem bestimmten Skill passt, lädt Claude den kompletten Skill, und das kann eine deutlich längere Anweisung sein.

Für dich heißt das: Die Beschreibung entscheidet mit, ob dein Skill aktiviert wird, wenn du ihn brauchst. Schreib dort klar rein, für welche Aufgaben der Skill gedacht ist.

Drei Wege zum Aufruf

Du hast drei Möglichkeiten, einen Skill zu starten:

  1. In natürlicher Sprache: Du beschreibst einfach die Aufgabe, wie bei der Produktbeschreibung oben. Claude schaut dann selbst, ob es einen passenden Skill gibt.
  2. Ausdrücklich: Du sagst „Verwende unseren Skill für die Produktbeschreibung“.
  3. Per Slash-Befehl: Du tippst einen Schrägstrich und den Namen des Skills in den Chat. Das ist der sichere Weg, wenn du genau weißt, welchen Skill Claude nehmen soll und wie du ihn benannt hast.

Drei Gründe für einen eigenen Skill

Bevor du dir die Mühe machst, einen eigenen Skill zu entwickeln, prüf diese Punkte.

Wiederholung

Du machst die Aufgabe mehrmals am Tag oder mehrmals in der Woche. Dann lohnt es sich, Claude einmal zu sagen, wie du sie haben willst.

Eigener Stil

Du gibst der AI einen Auftrag, sie recherchiert ein bisschen im Internet, und am Ende kommt ein Ergebnis raus, das du so nicht wolltest. Wenn du für eine Aufgabe deinen eigenen Stil hast, brauchst du dafür auch einen eigenen Skill.

Eigenes Wissen

Du willst auf Wissen zurückgreifen, das nur bei dir liegt, zum Beispiel eine Wissensdatenbank im Hintergrund. Ein Beispiel aus dem E-Commerce: In deinen Produktbeschreibungen müssen Health Claims beachtet werden. Das schreibst du in den Skill, damit Claude es bei den Produktbeschreibungen berücksichtigt.

Aufbau eines Skills

Jeder Skill liegt in einem eigenen Ordner, der den Namen des Skills trägt. Darin stecken:

  • SKILL.md: Diese Datei ist Pflicht. Oben stehen Name und Beschreibung, damit Claude weiß, wann es den Skill aufrufen darf. Darunter kommt der eigentliche Prompt, also die Erklärung, wann was wie zu tun ist. Hier kannst du auch Beispiele mitgeben, an denen sich Claude orientiert.
  • references: Optionaler Ordner für längere Details, zum Beispiel einen Style Guide oder eine Liste verbotener Wörter.
  • scripts: Optionaler Ordner mit Skripten, die Claude Code aufrufen kann.

Skripte kannst du dir wie ganz kurze Programme oder Workflows vorstellen, manche sind auch länger. Sie arbeiten bestimmte Schritte programmatisch ab. Ein Beispiel: Du willst die fertige Produktbeschreibung als TXT-Datei an einem bestimmten Ort ablegen. Diesen Schritt packst du in ein Skript.

Global oder im Projekt

Wenn du in Claude in einem Projekt arbeitest und dort einen Skill installierst, steht er in einem anderen Projekt nicht automatisch zur Verfügung. Bei jedem Skill entscheidest du einzeln, ob er im globalen Ordner liegt (User Scope) oder im Ordner des Projekts (Project Scope).

Jetzt denkst du dir vielleicht: Dann speichere ich halt alle Skills global ab, dann kann jedes Projekt darauf zugreifen. Das ist aber weder effektiv noch effizient. Wenn du irgendwann tausende Skills hast, die für gewisse Projekte gar keine Rolle spielen, muss Claude trotzdem jeden einzelnen durchgehen, sobald du ihm eine Aufgabe gibst.

Meine Empfehlung: Global liegen nur die Skills, die du in so gut wie jedem Projekt haben willst. Ein gutes Beispiel ist ein Skill fürs Texten, in dem steht, wie du deine Texte geschrieben haben möchtest. Alles andere legst du im jeweiligen Projekt ab.

Praxis: ein Skill für Meta-Ad-Copy

Jetzt bauen wir den ersten eigenen Skill. Ich öffne dafür die Claude Desktop App und gehe in den Bereich Code. Der Skill soll die Copy für eine Werbeanzeige auf Meta schreiben, jedes Mal in drei Varianten und nach einem festen Framework.

Schritt 1: Den Skill beschreiben

Mein Prompt sah ungefähr so aus: „Ich möchte, dass wir zusammen unseren ersten eigenen Skill entwickeln. Der Skill schreibt die Copy für eine Werbeanzeige auf Meta. Jedes Mal, wenn du mir eine Anzeige schreibst, erstellst du drei Varianten. Folgendes Framework soll angewendet werden.“ Darunter habe ich mein Framework reinkopiert.

Das ist natürlich sehr einfach gehalten. Du kannst Claude hier viel mehr mitgeben: welche Wörter es verwenden soll, was du explizit verkaufen willst und welche Guidelines du beachten musst.

Schritt 2: Rückfragen beantworten

Claude Code stellt danach ein paar Rückfragen, bei mir unter anderem, weil ich schon einen ähnlichen Skill hatte. Die beantwortest du einfach in natürlicher Sprache.

Im Hintergrund lädt Claude dabei den Skill Creator. Das ist ein Skill, mit dem Claude neue Skills erstellt. Er kennt die Punkte, auf die man beim Bau eines Skills achten muss, stellt die Fragen, die er für bessere Ergebnisse braucht, und weiß, wie er die Datei abspeichern muss.

Deinen ersten Skill kannst du prinzipiell auch ohne Skill Creator bauen. Wenn du das Ganze professionell machen willst, rate ich dir aber, ihn zu installieren. Dafür sagst du Claude Code „Installiere den Skill Creator Skill“ und dazu, dass er global installiert werden soll. Dann hast du ihn in jedem Projekt zur Verfügung.

Zum Schluss fragt Claude, ob es die Datei schreiben darf. Das erlaubst du.

Schritt 3: Neu starten und testen

Direkt nach dem Erstellen lässt sich der Skill noch nicht per Slash-Befehl aufrufen. Meiner heißt meta-ad-copy, und beim Tippen von „/meta“ tauchte er noch nicht auf. Claude hat mir gesagt, dass ich die App neu starten muss. Per Anweisung im Chat hätte ich den Skill auch vorher schon nutzen können, nur der Slash-Befehl ging noch nicht.

Nach dem Neustart erscheint der Skill in der Auswahl. Schickst du nur den Slash-Befehl ab, fragt Claude nach, was es schreiben soll. Ich habe ihm direkt die Aufgabe mitgegeben: Ad-Copy für einen Duschkopf für 89 €.

Das Ergebnis beim ersten Versuch: drei Varianten, aufgebaut wie gewünscht, mit einem Hook am Anfang und einem CTA am Ende. Claude hat außerdem dazugeschrieben, dass es von einem wassersparenden Duschkopf ausgegangen ist. Claude versucht natürlich, ein gutes Ergebnis zu liefern, aber ich habe ihm kaum Kontext mitgegeben. Wenn du so einen Skill für deine Brand aufbaust, ist es deine Aufgabe, den Kontext zu deiner Brand mitzugeben. Dann weiß Claude, worum es geht und was sich gut bewerben lässt.

Schritt 4: Mit Feedback verbessern

Ein Skill ist nicht in Stein gemeißelt. Gefällt dir eine Ausgabe nicht, sagst du Claude, dass du nicht zufrieden bist und warum. Claude schreibt dir dann neue Varianten. Sobald du zufrieden bist, sagst du: „Das ist schon deutlich besser. Bitte pass den Skill so an, dass wir beim nächsten Mal solche Ergebnisse bekommen.“

Stell dir das vor wie mit einem neuen Mitarbeiter. Der schreibt die Ad-Copy am Anfang wahrscheinlich auch nicht so, wie du sie gerne hättest. Gibst du ihm mehrmals Feedback, wird er immer besser, zumindest wenn er gut ist. Und in dem Fall hast du einen sehr guten Mitarbeiter. Nimm dir also die Zeit und gib Feedback, damit du beim nächsten Mal ein besseres Ergebnis bekommst.

Für mich gilt hier das 80/20-Prinzip: 20 % der Mühe am Anfang bringen dich auf 80 % eines perfekten Skills. Um ihn danach besser zu machen, brauchst du vor allem Feedback. Fertige Skills für E-Commerce-Brands, dazu Anleitungen und einen Live-Call im Monat, bekommst du im eCom OS AI Accelerator. Kostenlose Vorlagen findest du in unseren Ressourcen. Und wenn du Claude Code in deiner Firma sinnvoll einsetzen willst, schau dir unsere AI-Automationen für eCom Brands an.

Häufige Fragen

Brauche ich Programmierkenntnisse für einen eigenen Skill?

Für den Skill selbst nicht. Ein Skill ist ein Text-Prompt in einer Datei, und mit dem Skill Creator baust du ihn über natürliche Sprache. Skripte im scripts-Ordner sind optional.

Warum taucht mein neuer Skill nicht als Slash-Befehl auf?

Direkt nach dem Erstellen ist der Skill noch nicht per Slash-Befehl aufrufbar. Starte Claude einmal neu, dann erscheint er in der Auswahl. Bis dahin kannst du Claude im Chat sagen, dass es den Skill verwenden soll.

Sollte ich alle Skills global speichern?

Ich würde global nur die Skills ablegen, die du in fast jedem Projekt brauchst, zum Beispiel einen Skill fürs Texten. Bei tausenden Skills muss Claude sonst bei jeder Aufgabe auch durch die Skills, die für dein Projekt keine Rolle spielen. Alles Projektspezifische liegt besser im Projektordner.

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